
Oft hat man den Eindruck, die Frage „Christkind oder Weihnachtsmann?" stellt sich gar nicht. Vielerorts treffen wir nämlich mittlerweile auf Santa Claus. Wie in so vielen Bereichen, spüren wir auch hier den amerikanischen Einfluss über Werbung und Film.Doch an Heilig Abend bringt dann zum Glück das Christkind die Geschenke. Oder doch der Weihnachtsmann?
Im bayerischen Raum werden die Wünsche überwiegend noch vom Christkind erfüllt. Dieses wird oft wie ein Engel dargestellt. Sein Vorbild stammt aus Bräuchen und Krippenspielen, bei welchen häufig eine Engelschar, vom Christkind angeführt, auftritt. Doch woher kommt dieser Unterschied zum Weihnachtsmann? Er begegnet uns als gut genährter, älterer Mann, mit weißem Vollbart, in roten Kapuzenmantel gekleidet und hohen Stiefeln. Auf manche mag er wie ein schlecht gekleideter Nikolaus wirken. Doch beide Figuren, das Christkind wie der Weihnachtsmann, entwickelten sich erst in den letzten Jahrhunderten. Ausgangspunkt war die Reformation unter Martin Luther im 16. Jahrhundert. Der für Kinder wichtigste Tag war bis zu diesem Zeitpunkt der Nikolaustag am 6. Dezember. Er allein brachte zur Weihnachtszeit Geschenke und um ihn ranken sich zahlreiche Legenden. Im Zuge der Reformation sollten jedoch alle Heiligen der katholischen Kirche „abgeschafft" werden. So auch der Heilige Nikolaus. Der Bevölkerung gab man als Ersatz das Christkind, welches nun am Heiligen Abend die Geschenke verteilen sollte. Es entwickelte sich eine engelsgleiche Gestalt, mit lockigem blondem Haar, das oft seinen Besuch durch läuten eins Glöckchens ankündigt.
Dieser Brauch setzte sich dann bei beiden Konfessionen durch, bis in Norddeutschland der Weihnachtsmann im 19. Jahrhundert Einzug hielt. Auf den alten Nikolausbildern basierend, entstand die Vorstellung vom Weihnachtsmann. Seinen bildlichen Ursprung hat er jedoch in München.
1849 erschien im „Münchner Bilderbogen" eine Illustration des „Herrn Winter", gezeichnet vom Maler Moritz von Schwind (1804-1871). Dort ist ein Mann im Kapuzenmantel, langem Bart und in Stiefeln abgebildet. Über seiner Schulter trägt er ein Tannenbäumchen. Der Text dazu lautete: „Die Christnacht ist gekommen. Aus allen Fenstern erglänzt heller festlicher Schein und das Jubeln der fröhlichen Kinder schallt hinaus bis auf die schneebedeckten einsamen Straßen. Da trippelt ein Männlein gar eifrig einher und späht von Thür zu Thür, ob nicht Jemand ihm öffne und den geschmückten Weihnachtsbaum annehme als willkommene Spende. – Vergeblich! – keine Pforte geht auf, den einzulassen, der ja das Christfest unter seiner Herrschaft gehen läßt von Groß und Klein." Die Geschichte erzählt in einer Bildergeschichte, bestehend aus sieben Zeichnungen, von Herrn Winter. Er tritt sein Regiment an und erfüllt seine Aufgaben. Er bringt Schnee und Eis, doch die Menschen wissen es nicht zu schätzen. Er findet keinen Einlass und keine Gastfreundschaft. Als er im Frühling wieder weicht, legt er warmherzig ein Schneeglöckchen auf die Wiege des Frühlings.
Eben aus dieser Bildergeschichte soll sich der Weihnachtsmann, wie er sich uns heute bildlich darstellt, entwickelt haben, und trat dann seinen Zug um den Globus an. Jetzt zur Weihnachtszeit erscheint er uns wieder als Santa Claus in Werbung und Film. Dabei ist er weithin keine Erfindung von Coca Cola, sondern stammt aus der Zeichenfeder eines Münchners. Paradoxer Weise bringt heute überwiegend das von den Protestanten eingeführte Christkind in katholischen Familien die Geschenke zur Bescherung.